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Neu im Kreativbusiness?

Wie junge Selbstständige ihren Wert finden und durchsetzen!

Neu im Kreativbusiness?
Foto: iStock.com/stockfour

Die Kreativwirtschaft lebt von Ideen, Mut und Individualität. Wer „neu im Job“ ist, bringt oft neue Perspektiven und hohe Motivation mit. Gleichzeitig stehen viele am Beginn vor ähnlichen Fragen, unabhängig davon, ob sie im Grafikdesign-, Text- oder Social-Media-Bereich tätig sind: Wie kalkuliere ich meine Honorare? Wie gewinne ich Kundinnen und Kunden? Wie stelle ich sicher, dass meine Leistungen fair, transparent und korrekt verrechnet werden?

Für junge Unternehmerinnen und Unternehmer prallen zwei Welten aufeinander: das Ziel, mit der eigenen Kreativität Werte und Einkommen zu schaffen, und die Realität von Kalkulation, Stundensätzen und Nutzungsrechten. 
Dazu kommt: KI verschiebt die Wertschöpfung. Sie übernimmt Routinen, beschleunigt Recherchen, formuliert Vorschläge. KI macht vieles schneller, aber nicht zwingend besser. Junge Kreative sollten dies zu ihrem Vorteil nutzen. Sie sind oft flexibler, experimentierfreudiger und näher an aktuellen Trends. Sie können Nischen besetzen, neue Arbeitsweisen etablieren und sich bewusst von etablierten Strukturen abgrenzen. Authentizität wird dabei zum entscheidenden Faktor, und genau sie macht den Unterschied. Daher …

Bitte nicht: „Wir können alles!“ 
Gerade Berufseinsteigerinnen und -einsteiger schreiben sich gern ein umfassendes Leistungsportfolio auf die Fahne. Von Social Media über Content bis hin zu Kommunikationsstrategie, vielleicht auch noch Performance Marketing. Klingt alles sehr gut, hilft aber wenig. 

Wer scheinbar alles macht, ist schwer einzuordnen. Und wer schwer einzuordnen ist, wird selten beauftragt. Sichtbarkeit entsteht nicht durch Breite, sondern durch erkennbare Stärke. Spezialisierung ist dabei ein mächtiger Hebel: Wenn man sagt: „Ich mache Social Media“, ist man austauschbar. Wer aber sagt: „Ich helfe Unternehmen, über Social Media mehr Anfragen zu bekommen“, verspricht Vorteile und Wert.

Kundengewinnung heißt, Sichtbarkeit und Vertrauen aufbauen
Gerade am Anfang fehlt noch ein funktionierendes Netzwerk. Umso wichtiger ist es, aktiv an der eigenen Sichtbarkeit zu arbeiten. Eine professionelle Onlinepräsenz ist heutzutage Pflicht. Sie fungiert als digitale Visitenkarte und sollte klar zeigen, wofür man steht, welche Leistungen angeboten werden und welchen Mehrwert potenzielle Kundinnen und Kunden erwarten können. Darüber hinaus spielt die persönliche Vernetzung eine entscheidende Rolle. Veranstaltungen und spezielle Branchentreffen bieten Gelegenheiten, Kontakte zu knüpfen und Kooperationen anzustoßen.

Stolperstein: Preisgestaltung

Was ist meine Arbeit wert und wer bestimmt das eigentlich?
Die Preisgestaltung zählt zu den größten Stolpersteinen am Beginn. Viele junge Selbstständige setzen ihre Honorare zu niedrig an. Sei es aus Unsicherheit oder aus Angst, Aufträge zu verlieren. Aber: Wer dauerhaft unter seinem Wert arbeitet, gefährdet nicht nur die eigene Existenz, sondern seine Positionierung gegenüber Kundinnen und Kunden. Gerade Berufseinsteigerinnen und -einsteigern hilft eine realistische Systematik:

Lebenshaltung + Fixkosten + Rücklagen sind der notwendige Monatsumsatz
Also die monatlichen Lebenshaltungskosten, Rücklagen (Urlaub, Krankheit, Leerlaufzeiten …) und Fixkosten (Software, Equipment, Weiterbildung …). 

1) Die Faustregel lautet: Teile den monatlichen Bedarf durch etwa 100 abrechenbare Stunden (nicht 160, weil ein großer Teil der Zeit für Akquise, Abstimmung und Lernen gebraucht wird – speziell am Anfang). 

2) Nächster Schritt: Recherchiere (als Orientierung) die üblichen Preise in der Branche.

3) Abschließend: Bestimme einen Mindestpreis (also das gerade noch akzeptierte Minimum), dann den eigentlichen Zielpreis (realistisch) und einen Premiumpreis (z. B. bei hoher Wirkung oder knapper Zeit).
Hilfestellung bietet auch der Preisrechner der WKO (siehe Infokasten). Kundinnen und Kunden bezahlen nicht nur für Zeit, sondern für Vorteile und Nutzen. Gerade Jungunternehmerinnen und -unternehmer unterschätzen häufig den Nutzen, den sie stiften. Verkaufen Sie sich nicht unter Ihrem Wert. Aus Angst, zu viel zu verlangen, setzen viele von ihnen ihre Honorare bewusst zu niedrig an. Kurzfristig wirkt das wie ein Vorteil, langfristig ist es ein Problem. Denn der erste Preis wird oft zur Referenz für alles, was danach kommt.

Wichtig: In der Kreativbranche geht es nicht nur um ein Bild/Logo/Design, sondern um die Nutzungsmöglichkeit oft über Jahre, in vielen Medien und teils weltweit. Das Urheberrecht bleibt immer bei der Urheberin oder beim Urheber, die Kundin oder der Kunde kauft das Nutzungsrecht, um das Werk in einem bestimmten Rahmen zu verwenden. Je größer der Nutzen für die Kundin oder den Kunden (Reichweite, Dauer, Exklusivität), desto höher ist der wirtschaftliche Wert – und der muss sich in der Vergütung abbilden.

Achtung bei Nutzungsrechten!

Wie berechnet man Nutzungsrechte?
Es gibt einen kostenlosen Rechner (basierend auf den Richtlinien von design austria), der unter anderem Nutzungsgebiet, Nutzungsdauer und Nutzungsart berechnet. Das Ergebnis ist eine Empfehlung für den Zuschlag auf das Werkshonorar. Der Rechner läuft direkt im Browser, ohne Datenspeicherung.