Guter Ton verkauft
Sounddesign macht im Marketing den Unterschied

Wir investieren Stunden in Bildkomposition, Schnitt und Story und verlieren dann Zuschauerinnen und Zuschauer, weil die Stimme hallt oder die Musik die Stimme in den Hintergrund stellt. Online entscheidet der Ton oft in den ersten Sekunden, ob jemand dranbleibt.
Guter Ton ist nicht „nice to have“, sondern baut Vertrauen auf. Er macht Inhalte verständlich, reduziert Stress beim Zuhören und lässt ein Angebot hochwertiger wirken. Kurz: Sounddesign verstärkt Wirkung – und Wirkung verkauft.
Sounddesign ist kein Extra: Es schafft Vertrauen und verkauft.
Was guter Ton bewirken kann
Mehr Aufmerksamkeit: Ein klarer Einstieg, saubere Übergänge und dezente Akzente halten die Hörerinnen und Hörer im Inhalt. Mehr Vertrauen: Eine präsente Stimme klingt kompetent und nah. Mehr Wiedererkennung: Wiederkehrende Klang-Elemen-te (z. B. kurzer Jingle, Signature-Sound) sind unsichtbares Branding und gehören zur CI. Mehr Conversion: Wer länger zuhört, versteht mehr und ist eher bereit zu klicken, zu kaufen oder Kontakt aufzunehmen.
Welche Technik braucht man?
Die gute Nachricht: Für solide Ergebnisse ist kein Tonstudio nötig.
1) Ein brauchbares Mikro: Ein kleines Ansteckmikro (Lavalier), ein einfaches USB-Mikro oder auch die beliebten Bluetooth-Mikros sind oft der größte Hebel. Wichtig ist Nähe, aber nicht zu nahe zum Mikro. Ein guter Abstand ist das „Shaka-Zeichen“ (geschlossene Hand mit ausgestrecktem Daumen und kleinem Finger).
2) Ein ruhiger Raum: Weiche Materialien (Vorhänge, Teppich, Sofa) reduzieren Hall enorm und machen damit alles, was Sie aufnehmen, besser.
3) Kopfhörer zum Kontrollhören: Damit hören Sie sofort Rauschen, Hall und andere Probleme.
4) Software: Egal ob CapCut, DaVinci Resolve oder andere Video-Software – Sie können mit fast allen modernen Programmen gute Ergebnisse erzielen. Wichtig ist nur: „Kenne dein Werkzeug“!
Ein gutes Bild reicht nicht. Wenn der Ton nicht sitzt, sind die Leute weg.
Unterschiede je nach Kanal
(Video, Social Media, Website)
Ton muss überall funktionieren, aber die Rahmenbedingungen ändern sich. Hier einige Beispiele. Social Media (Reels/Tik-Tok/Shorts) werden oft am Handy gehört. Deshalb muss die Sprache von Anfang an klar und sofort verständlich sein. Achten Sie auf eine gleichmäßige Lautstärke und vermeiden Sie leise Passagen, damit alles auch unterwegs gut hörbar bleibt. Auf You-Tube oder der Website nehmen sich viele mehr Zeit und hören oft mit Kopfhörern. Hier darf das Sounddesign subtiler sein, mit Musikbett, Atmosphäre und mehr „Filmgefühl“. Bei Ads muss der Ton in den ersten ein bis zwei Sekunden sitzen: klare Stimme, kurze Akzente und keine langen Intros. Mein Tipp: Achtung, jetzt wird es fachlich! Als grobe Orientierung für Online gilt oft etwa -16 bis -14 LUFS, True Peak ca. -1 dBTP. Broadcast/TV hat andere Vorgaben (z. B. -23 LUFS nach EBU R128). Bitte nicht verwechseln.
Gängige Fehler (und warum sie so wehtun)
- Hallige Sprache: Klingt sofort billig und macht müde!
Mein Tipp: Näher ans Mikro, Raum dämpfen, KI-Tools wie AI Voice Isolation in DaVinci Resolve. - Zu leise oder schwankende Lautstärke: Zuschauerinnen und Zuschauer müssen nachregeln oder sie gehen. Mein Tipp: Kompressor und Limiter, sauber aussteuern, Mikrofone mit gutem „Auto-Gain“ oder Dialog Leveler verwenden. Flüstern ist in einer guten Mischung fast so laut wie Schreien, die Zuhörerin und der Zuhörer erkennen den Unterschied am Klang, nicht an der Lautstärke.
- Musik zu laut: Musik ist wichtig, aber Stimme ist King.
Mein Tipp: Die Musik sollte deutlich unter der Stimme liegen. Bei Bedarf helfen „Ducking“ (die Musik senkt sich automatisch, sobald gesprochen wird) oder Sidechain-Compression. - Zischeln und Plosive: „S“ und „P“ nerven schnell. Mein Tipp: Nutzen Sie einen De-Esser (Audiotool – Plugin oder Effekt –, das zu scharfe s-Laute wie „s“, „sch“, „z“ in einer Sprachaufnahme automatisch absenkt) und korrigieren Sie bei Bedarf Popschutz und Mikrofonposition.
- Kein Test auf Endgeräten: Am Laptop klingt’s okay, am Handy ist alles weg. Mein Tipp: Immer auf Handy-Lautsprecher und Kopfhörer gegenhören.
Stimme, Musik, Postproduktion: Achtung, hier wird es technisch!
Sprache ist King: Verständlichkeit zuerst. Entfernen Sie per EQ tiefes Rumpeln, setzen Sie eine leichte Kompression, dann einen De-Esser und zum Schluss einen Limiter. Die Musik dient als Bett – leise, zur Marke passend und ohne Gesang, weil dieser mit der Stimme konkurriert. Hier gilt: lieber zu wenig als zu viel. Soundeffekte sparsam einsetzen: Ein paar gezielte Akzente (z. B. ein kurzer Swoosh bei Text-Einblendungen) wirken hochwertig, zu viele Effekte machen es schnell unfreiwillig komisch. Beim Export und der Kontrolle auf 48 kHz, saubere Pegel und keine Verzerrungen achten – und vor dem Upload kurz gegenhören.
Ton, der verkauft
Sounddesign ist der unterschätzte Hebel im Marketing und viel billiger als das Bild. Wer Ton als Teil der Marke behandelt, wirkt automatisch hochwertiger, wird länger gehört und baut schneller Vertrauen auf. Und das Beste: Schon mit einfachen Mitteln lässt sich der Unterschied hörbar machen.











